About

„Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.“ Goethe

Ich entwerfe pflanzengefärbte Textilgemälde, die sich durch geometrische Formen auszeichnen.
Jedes Werk beginnt mit einem Entwurf, der mir als Leitfaden dient.
Doch dieser Entwurf ist nicht starr; vielmehr ist er der Ausgangspunkt einer dynamischen Suche
nach der inneren Harmonie.

In einer krisenüberfluteten Welt, in der die äußere Zerrüttung sich nach innen wendet,
in dem Stress meinen Körper in eine ständige Alarmbereitschaft versetzt, meine inneren Stimmen
wüten, suche ich in meiner künstlerischen Arbeit den Moment der inneren Harmonie.
Den Zustand des Einklangs erfuhr ich zum ersten Mal mit 12 Jahren, als ich mit dem Nähen begann. Ich war schlecht in der Schule, störte den Unterricht und war unsicher.
Das Nähen öffnete mir einen Raum, in dem ich Selbstbewusstsein erlangte, aber auch zur Ruhe kam.
Seitdem ist es mein Streben, diesen Zustand des inneren Einklangs mit der Welt und mir zu erreichen.

Für mich sind die geometrischen Formen eine Auseinandersetzung auf der einen Seite mit dem
kosmischen Prinzip, dem Ordnungssystem der Natur. Auf der anderen Seite schafft es für mich auch eine innere Ordnung und Konzentration in einer unruhigen Welt.

Der Weg zu einem fertigen Textilgemälde führt über mehrere Vorbereitungen: Zu Beginn steht der Entwurf, dieser Prozess kann anfangs eine offene Frage sein oder auf meinen Aquarellzeichnungen basieren, aus denen ich Details entnehme oder die gesamte Komposition übertrage.
Nach dem Entwurf folgen die Stoffrecherche und die Auswahl geeigneter Pflanzen zum Färben.
Ich durchforste Theaterfundi oder private Nachlässe auf der Suche nach hochwertigen Naturfasern,
die eine eigene Geschichte erzählen.
Die Pflanzenfarben, die ich zum Färben verwende, stammen teilweise aus der Umgebung.
Hierbei bin ich an die Jahreszeiten gebunden: Im Herbst ernte ich zum Beispiel die grüne
Walnussschale für Brauntöne, während die Galläpfel der Eichen im Frühling oder Herbst
sowohl zum Beizen als auch für Grautöne genutzt werden.
Der Färbeprozess selbst ist ebenso individuell wie die Pflanze, die ich auswähle, von bis zu
24 Tauchgängen bei der Indigoküpe, hin zu mehrwöchigem Einweichen des Stoffes im Walnussbad.
Nach dem Färben folgt das Nähen, dieser Prozess ist ein ständiges Stirb und Werde:
Ich kombiniere, verwerfe, finde neue Ansätze und setze alles wieder neu zusammen,
bis ich schließlich die endgültige Form gefunden habe.
Erst wenn der Zustand der inneren Harmonie erreicht ist, ist die Arbeit beendet.

Meinen Master of Arts im Fach Kostümbild absolvierte ich an der Universität der Künste in
Berlin, lebte anschließend im Salzburger Umland und arbeitete im Theater und beim Film.
Seit 2022 bin ich als freischaffende Künstlerin tätig.
Eine Auswahl meiner Textilgemälde wurde bereits an unterschiedlichen
Orten ausgestellt und die erste Einzelausstellung ist in Planung. Seit 2022 lebe ich im Wendland.

Marie Katharina Fischer

Alle Stoffe sind ausschließlich mit natürlichen Materialen gefärbt. Vorwiegend mit Indigo, Krapp, Reseda, Gallapfel, Zwiebel & Walnuss. Die Pflanzen werden zum Teil selber geerntet. Die Lebendigkeit der Farben sowie die Veränderung in der Farbintensität sind ein Hauptmerkmal der gefärbten Stoffe.

Fotocredits: Nora Blum & Janine Oswald